Vater & Coach vom Team Glarus Belvedere, Schweizer Meister 2026 Rollenmanagement und Insides
Welche Parallelen zwischen den zwei Schweizer Meistern Team Glarus und Team GC siehst du bzgl. der Coaching-Situation?
Bei uns wie bei GC ist die Trainerrolle nicht von Beginn weg nur wegen der Familienbeziehung entstanden. Andi und ich trainierten schon zuvor etliche Teams; während unsere Kinder zunächst von „fremden“ Trainern profitierten.
Erst danach entschieden sie sich für die Trainerlösung „Papa“. Solche Vorerfahrungen als Coach schaffen Distanz und ermöglichen Professionalität, schon bevor die besondere Vater-Athlet-Konstellation beginnt. Für mich ist das eine zentrale Voraussetzung, um Rollenkonflikte von Beginn weg zu vermeiden. Neben menschlicher Kompetenz ist bei dieser heiklen Konstellation eine fundierte Trainerausbildung zentral. Andi hat mich als Ausbildner geprägt, die Lehrgänge bei der Trainerbildung Schweiz haben mir das nötige Werkzeug mit auf den Weg gegeben, um die Vater-Athlet-Situation professionell zu managen. Diese Tools helfen, Rollen zu klären, sie strukturieren die Kommunikation und setzen Grenzen.
Wie genau kam es zum Trainerengagement?
Der Auslöser war 2015 meine Frau Myriam. Als Juniorenobfrau des Curlingclub Glarus schlug sie vor, ich solle doch das Team übernehmen. Dass daraus eine so lange Zusammenarbeit mit doch einigen Erfolgen werden würde, konnte sie noch nicht wissen. Inzwischen sind wir im 12. Jahr, und es scheint trotz der familiären Konstellation immer noch zu funktionieren.
Von Beginn weg war es mir wichtig, einen Trainerstab aufzubauen – auch um die Funktion einer Ombudsstelle anzubieten. Die Athleten sollten sich stets an eine neutrale Person wenden können, falls sie ein Problem mit mir haben. Diese Struktur schützt bis heute vor Loyalitäts- und Rollenkonflikten in der Familienkonstellation.
Erzähle etwas von eurem Weg und von den bisherigen Meilensteinen?
Die Jungs waren frisch in die Junioren-A-Liga aufgestiegen, als ich das Team 2015 übernahm. Wir schafften es gleich in die Playoffs, aber nicht aufs Podest. Dieses folgte mit Bronze im Jahr darauf, 2018 wurden wir Schweizer Meister. An der Junioren-WM 2019 gabs Silber. Bei der Elite schafften wir es an der Schweizer Meisterschaft 2021 als Dritte erstmals aufs Podest, 2022 und 2025 verloren wir den Final, 2026 hats nun mit dem Titel geklappt. Jetzt steht unsere erste Elite-WM an. Die Sponsoren sind gefunden, die Organisation steht. Das Spezielle daran: Genau in dieser Halle in Ogden durfte ich 2001 meine erste Junioren-WM erleben. Meine Kinder waren auch bereits „dabei“: Marco als Baby, Philipp noch in Myriams Bauch. Jetzt bestreiten wir ausgerechnet dort unsere erste Elite-WM – ein Kreis schliesst sich.
Schattenseiten und Herausforderungen der Vater-Coach-Rolle?
Ich muss als Coach oft Vater-Emotionen unterdrücken und merkte erst mit den Jahren, dass ich dies zu Beginn zu stark tat. Heute plädiere ich dafür, gelegentlich auch den Vater-Hut tragen zu dürfen, wenn es die Situation zulässt. Grundsätzlich bleibt eine klare Rollentrennung essenziell. Während der Spitzensport-RS war die Herausforderung, Marco und Philipp am Wochenende nicht auch noch von mir her mit Curling einzudecken. Die Balance zwischen Spitzensport, meinem 100-Prozent-Job bei der Fachstelle Sport und unserer Paarbeziehung zu erhalten, ist nicht immer einfach, aber matchentscheidend. Bei längeren Auslandsreisen wird Coaching bei Höslis daher auch mal mit Paarzeit gemischt, um Beziehungspflege und Erholung bei mir und meiner Frau sicherzustellen.
Hast du Ratschläge für Eltern die vor einem ähnlichen Entscheid stehen?
Erstens: Wagt es! Es lohnt sich. Die gemeinsame Zeit ist unbezahlbar. Der grösste Gewinn sind für mich die gemeinsamen Erlebnisse in einem Lebensabschnitt, in dem man sonst viel weniger miteinander zu tun hätte. Zweitens: Habt Geduld! Seid nicht zu ehrgeizig und nicht ergebnisorientiert. Achtet auf die Weiterentwicklung der Athleten und Coaches statt auf die nackten Resultate. Drittens: Lasst los! Mit zunehmendem Alter wechselt die Verantwortung von der älteren auf die jüngere Generation: Anfangs gibt der Coach mehr vor; später entscheidet das Team und gibt dem Coach Aufträge. Dieser Ablöseprozess sollte von Beginn an antizipiert werden – mit klaren Rollen, definierten Werten und sofortigem Ansprechen von Themen. So wird der Faktor MENSCH aller Beteiligten gestärkt.
Kommentar hinzufügen
Kommentare